Caderzone Terme

| Val Rendena Trentino

DAS ADELSGESCHLECHT DER LODRON

Das Dorf Caderzone, das sich von der Vorherrschaft der nahen Dorfgemeinschaften geplagt fühlte, suchte bei der aufkommenden Familie Lodron auf Castel Romano in den Inneren Judikarien Schutz und schloss alsbald mit dieser Familie einen gefürchteten Bund. Die Adelsfamilie Lodron kam um 1302 ins Rendenatal und befleckte die Geschichte von Caderzone mit ihren Zwistigkeiten im 14. Jahrhundert mit Blut. Es ist jedoch den Rechtsexperten dieser Familie zu verdanken, wenn viele Rechtsstreite mit den benachbarten Dörfern (Pinzolo, Baldino, Carisolo, Strembo, Vadajone, Massimeno) seitdem immer zu Gunsten von Caderzone ausfielen. Am Anfang des 14. Jahrunderts wurde das Dorf eine wahrhafte Kolonie der Lodron, in der sich einige außereheliche Söhne des Adelsgeschlechts niederließen und ihre angeborene Wildheit austobten. Raimondo Lodron (132?- 1372), außerehelicher Sohn des großen Pietrozoto (127?-1346); Pietrozoto II, Pietro Paolo und Giacomo Giovanni, Söhne des Albrigino (130?-136?), Mörder des Raimondino; Pietro il sanguinario (der Blutrünstige) (135?-141?), Vernichter der Lodron auf Castel Romano und zuletzt der Bandit Marco (1425-1490), außerehelicher Sohn des Grafen Giorgio Lodron (1400-1461) traten so in die Geschichte von Caderzone ein. Marco erbte nach dem Tod seines Vaters (1461) das gesamte Lehen Caderzone und wurde somit nicht nur "Herr von Caderzone" sondern auch Vikar seines Stiefbruders Paride Antonio Lodron im Rendenatal, welcher seinerseits Herr der Inneren Judikarien und "Rechtlicher Statthalter" war. Die absolute Gewaltherrschaft des Marco dauerte in Caderzone bis zum Herbst 1489, d.h. bis zum Zeitpunkt, an dem der Sturm auf die Festung durch den bischöflichen Verwalter von Stenico Marchetto Bertelio stattfand und an dem der Mann verhaftet wurde, der mit seinen Verschwörungen sogar das Fürstbistum Trient erzittern ließ. Mit der Hinrichtung von Marco (26. Mai 1490) und der nach sieben Jahren erfolgten Rückkehr nach Caderzone dreier seiner fünf geflüchteten Kinder ging das 15. Jahrhundert seinem Ende zu.

DIE ERBEN DES LILIUMS: DAS ADELSGESCHLECHT BERTELLI

Nachdem im Jahr 1560 das Geschlecht des Marco (mit dem Tod seines letzten über hundert Jahre alten Sohnes Biagio) ausstarb, begann in Caderzone die Herrschaft der "Erben des Liliums" - so wurden die Adeligen Bertelli aus Vigo Preore genannt -, die mit Marco durch die Heirat des Notars Jacopo Bertelli (150? - 1585) mit der letzten Nachfahrin der "de Marco" verschwägert waren. Nachdem die Wechselfälle und das Misstrauen der ersten Zeit überholt und die Folgen einer furchtbaren zweijährigen Pest (1630 - 1631), die sie mit einem Lazarett eingrenzen konnten, ausgeheilt waren, kannten die Bertellis den Höhepunkt ihres Ruhms - zumal sie 1644 Grafen des Castel Ossana im Sulzberg und Herren von Castel Corona im Nonsberg wurden und vor allem weil sie für fünf aufeinander folgende Sommer (1649 - 1653) den Fürstbischof von Trient, Monsignor Carlo Emanuele Madruzzo, zur inneren Einkehr durch Gebet und Buße an den San-Giuliano-Seen zu Gast hatten. Caderzone wurde in der Zwischenzeit durch die Fürsprache von Francesco Felice Bertelli (1666 - 1720) im Frühjahr 1700 (mit dem Taufbecken und dem Tabernakel) zur Kuratie erhoben und bekam einen ständigen Priester. Die Macht der "Grafen" über die armen Untertanen wurde aber mit der Zeit immer erdrückender und gleichgültig gegenüber den tatsächlichen Bedürfnissen der Bevölkerung. Am Ende des Jahrhunderts erstrahlte die außergewöhnliche Person des Don Carlo Agapito Mosca - eine einzigartige Persönlichkeit in der Geschichte von Caderzone. Er war der Meisterprediger des Trentino im 18. Jahrhundert und unvergesslicher Pfarrer im Bleggio (1736 - 1771), wo er bis zu seinem Tode seinen tiefen Glauben, seine Lehre und seine Worte verkündete, die Spuren und Erinnerungen hinterlassen haben, die seinen Bekanntheitsgrad als außerordentlicher Geistlicher, der die Wüste um sich zum Blühen brachte, durchaus bestätigen. Neue politische Umwälzungen haben in der Zwischenzeit nicht nur das Trentino, sondern auch Caderzone betroffen.

DER ANBRUCH DER NAPOLEONISCHEN ZEIT UND DER NIEDERGANG DER FAMILIE BERTELLI

Am 17. Mai 1796 demütigte der Statthalter von Tirol die Täler durch die Verkündung des Einbruchs Napoleons in das Fürstentum Trient und des damit zusammenhängenden Zusammenbruchs der Werte der Religion und jeglicher Moral. Am 26. Dezember 1802 ratifizierten Napoleon und die österreichischen und russischen Vertreter in Paris die Säkularisation der Bistümer von Trient und Brixen, die dem Land Tirol einverleibt wurden. Mit dem Friedensvertrag von Pressburg (26. Dezember 1805) wurde das Trentino und natürlich auch Caderzone vom napoleonischen Verfall betroffen und musste an das Königreich Bayern abgetreten werden. Erst nach dem Jahr 1809, in dem Aufstände wüteten, in den Tälern viele Erschießungen stattfanden und Napoleon in Regensburg, Wien, Esslingen und Wagram große Erfolge erzielte, wurde das Trentino durch den Frieden von Schönbrunn dem Königreich Italien unter dem Vizekönig Eugen Beauharnais zugesprochen. Am 24. April 1815, als Österreich nach der endgültigen Niederlage Napoleons das Fürstentum Trient dem neuen Tirol wieder angliederte und im 19. Jahrhundert unter die Verwaltung der Habsburger stellte, die als "Risorgimento italiano" bekannt ist, wurden jubelnde Feste mit Glockenklängen und Lichtspielen veranstaltet. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts begann der Niedergang des Geschlechts der Bertelli mit dem Tod am 24. Dezember 1822 des 81jährigen Girolamo Giuseppe Felice (1741-1822), dessen Sohn und Nachfolger Giuseppe Felice Maurizio (1769-1822) nach einer langen Krankheit zwei Tage vor ihm in Trient gestorben war. Das Ende des Lehens der Bertelli in Caderzone wurde am 16. April 1831 besiegelt, als die k.u.k. Katasterverwaltung Tione auf Antrag der Gräfin Gioseffa Margherita Bertelli, einzige Tochter des Giuseppe Felice Maurizio und letzte Erbin, zur öffentlichen Versteigerung frei gegeben wurde.

DAS RISORGIMENTO

Ganz Europa wurde 1848 plötzlich von zunehmenden irredentistischen Aufständen und Unabhängigkeitsbewegungen erschüttert. Es war das Jahr der großen geschichtlichen Aufstände. Zuerst in Paris, dann in Berlin, in Wien und schließlich in Venedig und Mailand. Sogar im Rendenatal entflammte mit den "Corpi Franchi" in Tione und Pinzolo eine Glut von Italianität. Auch Giovanni Polla, Vorsteher des Gemeinderates von Caderzone, unterzeichnete in Tione den Antrag auf eine "provisorische Regierung". Während in ganz Europa Ideale und Kämpfe aufflammten, versuchte das kleine Caderzone die anachronistische Glut in der Asche vergangener Zeiten wieder zu schüren. Am 13. Dezember 1848 wies das Bezirksgericht Tione wiederum einen Rekurs zurück, der aus den alten nach den tragischen Überschwemmungen im Herbst 1846 erneut entfachten Streitigkeiten zwischen den Einwohnern von Caderzone und jenen von Giustino herrührte. Seit mindestens vier Jahrhunderten konnte man keinem so harten Prozess gedenken, wie der zwischen den beiden Dörfern, der mit der Rückverweisung archiviert wurde. Die Archivierung kam gelegen. Im Jahr 1849 plante nämlich der gesamte Gemeindevorstand von Caderzone mit der hartnäckigen Unterstützung des wagemutigen Kurators Don Gian Pietro Lutterotti aus Riva ein für jene Zeit großartiges Projekt: den Bau der neuen Kirche anstelle der alten baufälligen Kirche, die am 31. August 1454 geweiht worden war. Im März 1853 begannen die Arbeiten des mächtigen Gebäudes, das noch imposanter erscheint, wenn man die Armut bedenkt, in welcher die Gemeinschaft von Caderzone nach dem vor kurzem beendeten ersten Unabhängigkeitskrieg lebte. Nach dem furchtbaren Winter 1866 stiegen die Einwohner von Caderzone auf St. Julian am Berge hoch, um nach dem Stand der Almen und des Einsiedlerkirchleins zu sehen, das sie teilweise verfallen vorfanden. Die Kirche wurde unverzüglich an einem sichereren Ort neu aufgebaut und 1868 war deren Bau bereits vollendet. Somit konnte eine Legende überleben, die jedes Dorf im Rendenatal als ihre eigene empfand.

VON DEN UMWELTKATASTROPHEN BIS HIN ZU DEN WELTKRIEGEN

Hunger und Elend plagten das Rendenatal - wie nur wenige Täler im Alpenraum - in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wegen der andauernd auflodernden Aufstände und der von Garibaldi angeführten Erhebungen. Die einzigen Einnahmen kamen aus der spärlichen Tierhaltung, dem kargen Holz der Wälder und den geringen Erträgen aus der Landwirtschaft. Auch eine voreilige Auswanderung charakterisierte Caderzone in jenen dunklen Jahren. Um die allgemeine Mutlosigkeit in der Landwirtschaft einzudämmen, wurde zwischen 1878 und 1879 im Dorf die erste öffentliche Sennerei gegründet, die als Vorläufer des von Don Guetti eingeführten Genossenschaftswesens betrachtet werden kann. Es waren nicht einmal drei Jahre vergangen, als es im Tal und in Caderzone vom 14. bis zum 18. September 1882 fünf Tage lang ununterbrochen regnete. Weder die Flussbetten noch die Ufer konnten das Wasser einhalten und das Rendenatal erschien wie das Land nach der Sintflut. Straßen, Mauern, Grenzsteine, Grundmauern weggerissener Häuser, Brücken, Wege und Wiesen: Alles war weggeschwemmt. Die Dörfer waren nicht in der Lage das Verlorene zu beschreiben und zu bewerten. Die betroffene Bevölkerung musste selbst für die Verluste aufkommen, da in der allgemeinen Armut niemand dafür Gehör hatte oder imstande war, jedwede Hilfe zu erbringen. Das 20. Jahrhundert brach an. Europa wurde vom Ersten Weltkrieg heimgesucht und Caderzone wurde zu Kriegsende mitsamt der Region Trentino-Südtirol in das Königreich Italien einverleibt. Nachdem der Kontinent wieder seinen Frieden gefunden hatte, dauerte es nicht lange, dass die schlimmsten Ideologien nach und nach mit allen Mitteln eine zweite Katastrophe, den Zweiten Weltkrieg, vorbereiteten. In Caderzone wurde die Auswanderung während der beiden dramatischen Kriege beinahe zu einer Gewohnheit. Glücklicherweise konnten dank einer vernünftigen Berglandwirtschaft, einer bewussten sozialen Entwicklung und einer mutigen Fremdenverkehrswirtschaft Arbeitsplätze geschaffen werden und es kam zu dem Wohlstand, der die Grundlage des stets wachsenden Unternehmungsgeistes ist.

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